Talleyrand und der Verein "Les Amis de Talleyrand"
 
 

"Ich möchte, dass jahrhundertelang über das, was ich gewesen bin, worü-
ber ich gedacht habe und über das, was ich gewollt habe, diskutiert wird."

Charles-Maurice de Talleyrand- Périgord
Rede vom 30. März 1812 - Memoiren der Herzogin von Kielmannsege über Napoleon I.
Paris, Victor Attinger, 1928 - Band I, S. 141





Charles Maurice de Talleyrand-Périgord wurde am 2. Februar 1754 unter der Regierung Ludwigs XV. geboren. 1789 wird er unter Ludwig XVI. zum Bischof geweiht. Ein Jahr später liest er als Abgeordneter und zeitweise auch Präsident der verfassungsgebenden Versammlung auf dem Champs-de-Mars die Messe des Bundesfestes und legt den Eid auf die bürgerliche Verfassung der Geistlichkeit ab. Im Jahre 1797 ernennt ihn das Direktorium zum Aussenminister. Er behält diesen Posten über die wechselnden Regierungen hindurch, bis er 1807 abdankt. Im Jahre 1803 hatte er den Grundbesitz von Valençay erworben. Als Napoleon 1814 abdankt, wird er zum Präsidenten der provisorischen Regierung und später zum Aussenminister ernannt. 1815 nimmt er mit Glanz am Wiener Kongress teil. Er interessiert sich weiterhin für Politik und wird 1830 im Alter von 76 Jahren zum Botschafter in London ernannt, wo er 1938 den Vertrag über die Anerkennung Belgiens unter- zeichnet. 1834 legt er dieses Amt nieder. 1838 stirbt er in Paris unter der Regierung von Louis-Philippe und wird in Valençay begraben. Für Informationen über sein Leben siehe Biografie.

Im Laufe seines langen politischen Lebens ist Frankreich von der alten Regierungsform zu den An- fängen der Industriellen Revolution übergegangen. Im Aufklärungsjahrhundert geboren, welches er so perfekt darstellte, starb er zu Beginn des glorreichen Zeitalters des liberalen, kaufmännischen Bürgertums. Er erlebte die Veränderungen der politischen und sozialen Strukturen, ohne in irgend- einer Weise von seiner Gedankenfreiheit abzuweichen, oft aber auf Kosten von Kompromissen, die ihm durch die verschiedenen Stellen, die er bei den wechselnden Machthabern innehatte, vorgeschrie-ben wurden, wobei es nicht sicher ist, dass er diesen wirklich ergeben war. Es ist also nicht verwun- derlich, dass der "Hinkende Teufel", der im XIX. Jahrhundert verspottet wurde (siehe Ikonografie) weiterhin oft bestritten wird und seine Verleumder heute noch zahlreicher sind als seine Bewunderer.

Das Interesse für diese berühmte Persönlichkeit, die besonders schwierige Perioden der französi-

schen Geschichte erlebte, ist ungeheuer gross und bis heute unverändert geblieben. Eine zusätzliche Studie der Werke, die ihm weiterhin sowohl in Frankreich als auch im Ausland gewidmet werden (siehe Bibliografie) würde kaum etwas bringen. Der von einigen leidenschaftlichen Autoren und Sammlern am 9.12.1998 in Valençay gegründete Verein " Talleyrands Freunde" verfolgt ein ganz anderes Ziel. Sein Anliegen ist es, eine Kontakt-und Freundschaftsverbindung zwischen all denjenigen aufzubauen, die sich in irgendeiner Weise für diese Person interessieren. Der Verein möchte in den nächsten Jahren nach und nach die verschiedensten Untersuchungen und Dokumente zusammentragen, um die Erinnerung an einen Mann zu bewahren, der uns jahrhundertelang dazu aufgefordert hat, über seine Ideen zu diskutieren.

Die Worte des ersten amtierendenVorsitzenden André Beau an die Gründer des Vereins bringen diese Bestrebungen zum Ausdruck. Beurteilen Sie doch selbst:

"Es wäre einfacher, die Sonne aufzuhalten." So lautet eine am 20.2.1833 in der Zeitung

"La Caricature" erschienene Karikatur, in der der Prinz von Talleyrand versucht, mit "Block-und

Pflastersteinen" den Wagen der triumphierenden Freiheit aufzuhalten, welcher obendrein von den zahlreichen Anhängern Louis-Philippes "mit Hilfe von Händen, Haken und Seilen" fest gehalten wird, während die Freiheit über diese vergeblichen Bemühungen, die ihren weiteren Lauf behindern, nur zu lachen scheint. Auf diese Weise drückte sich diese politische Aufgabe unter tausend anderen in dieser für Karikaturisten gesegneten Zeit aus.

So schien nach vielen Regentagen am Dienstag, den 29.12.1998 die Sonne über Valençay, dem wunderschönen Wohnsitz von Talleyrand. Sie strahlte sogar besonders intensiv auf den damals vom Prinzen errichteten Pavillon de la Garenne und zwar nicht, um zu versuchen, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sondern um die Grundsteine eines Vereins zu legen, der bislang der Bewahrung des Ortes fehlte.

An diesem Tage hätte keine der dort versammelten Personen:

- André Beau: seit nicht ganz einem Dreivierteljahrhundert mit Valençay verbunden

- Pierre Combaluzier: Sammler und aktiver Web-Surfer aus Pau

- Claude Doucet: Bezirksrat, Vorsitzender des Bezirksausschusses für Tourismus und Vorsitzender des Verwaltungsvereins des Schlosses von Valençay

- Philip G. Dwyer: australischer Akademiker, Verfasser einer neuen weltweit anerkannten Bibliografie von Charles-Maurice de Talleyrand

- Pierre Guimbretière: wohnhaft in der Mühle von Méray in Valençay, Anreger des Projekts und anerkannter Web-Surfer

- Jean Le Métayer: Versicherungsexperte und unser Gastgeber im Pavillon de La Garenne

- Philippe Maillard: aus Paris stammend und Ikonograf von Talleyrand

- Marc du Pouget: Leiter des Bezirksarchivs des Departements der Indre in Erwägung gezogen, die Entwicklung des neu gegründeten Vereins "Talleyrand's Freunde" aufzuhalten.

Die Aufgaben der Vereinsmitglieder wurden völlig offen diskutiert, festgelegt und angenommen.
So konnten die Mitglieder nach einer 3-stündigen Debatte in aller Zufriedenheit über die geleistete Arbeit auseinander gehen.

Pierre Guimbretières Idee hat sich schnell verbreitet, da "Talleyrands Freunde"demnächst im Web erscheinen werden. Talleyrands Anhänger aus aller Welt haben sich schon im Internet verabredet.

Alle Themen werden mit grösster Sorgfalt behandelt werden. Der Verein hat als Ziel, gemäss der Vereinssatzung die Erinnerung an Talleyrand zu bewahren durch die Herstellung von Verbindungen zwischen Autoren, Forschern und Sammlern, die diese Persönlichkeit zum gemeinsamen Interesse haben und bereit sind, die Ergebnisse ihrer Arbeiten und Forschungen zusammenzutragen.

Der Verein möchte sich zu einem internationalen, wissenschaftlichen, apolitischen Zentrum entwickeln, welches vor allem die Arbeiten junger Forscher und ausländischer Autoren fördert.

Lang lebe der Verein "Talleyrands Freunde". In Anbetracht der Entschlossenheit seiner Gründer wäre es einfacher, die Sonne aufzuhalten.
 

Der Präsident André Beau