17. und 18. Mai 2003

Feier anlässlich des Erwerbs des Schlosses von Valencay durch Talleyrand vor 200 Jahren

 Ein Bericht von  Rolf und Françoise Ehnert
fraehnet@wanadoo.fr

Samstag, 17. Mai 2003

 Um 9 Uhr 30 hatten wir Zugang zur Orangerie des Schlosses. Neben den Mitgliedern des Vereins waren viele Bewohner von Valençay gekommen, um den Eröffnungsvortrag zu hören.

Von einigen Bewohnern  der Stadt Valençay serviert,  bekamen wir  Kaffee und Kuchen,  bevor wir Nicole Gotteri, Chefkonservatorin im französischen Nationalarchiv, zuhören durften. Sie sprach über den von Napoleon dekretierten Zwangsaufenthalt der spanischen Erbprinzen.  Napoleon  hatte  seinen  Aussenminister  beauftragt,  die  Prinzen von Spanien, 

Ihren Onkel und ihre Gefolgschaft in Valençay zu bewachen. Er hatte seinen Bruder zum König von Spanien gemacht. Die Prinzen weilten in Valençay von 1808 bis 1814. Der Vortrag war spannend und äusserst gut dokumentiert. Man wird ihn bald auf dieser homepage lesen können.

 Danach begab man sich in die grosse Galerie des Schlosses, wo der Präfekt des Départements  Indre in Gegenwart des Bürgermeisters, Herrn Claude Doucet, eine Ausstellung über « Talleyrand und Valençay » eröffnete, die von Herrn Marc du Pouget vorgestellt wurde. Die Galerie ist sehr schmal, wir waren zahlreich  und hatten  Schwierigkeiten, alle Exponate zu betrachten : Gemälde, Gravuren, verschiedenste Objekte ; alles war sehr interessant. Das Archiv des Départements Indre hat wertvolle Dokumente zur Verfügung gestellt, und private Leihgeber haben ebenfalls zur Vielfalt der Austellung beigetragen.

Viele, die das Schloss noch nicht kannten, haben es besichtigt und die Portraits von Talleyrand und der Herzogin von Dino bewundert.

Danach: ein Apéritif unter einem eigens im Park aufgestellten Zelt, serviert von Lakaien in zeitgenössischen Kostümen.

Mittagessen im Hotel/Restaurant Relais du Moulin (die Mühle gehörte zum Besitz Talleyrands ; er schuf Arbeitsplätze für die Bevölkerung, war auch Bürgermeister von Valençay).

Später gab es das grosse Ereignis: Im Festsaal der Stadt war das Theaterstück « Das Abendessen » (Le Souper)  von Jean-Claude Brisville zu sehen, eine hervorragende Aufführung von Yvan Lambert als Talleyrand und Pierre Hentz als Fouché. In ihrem Theater « Bec fin » in Paris haben sie damit seit dem letzten Jahr grossen Erfolg.

Ein unvergänglicher Augenblick ! Diese beiden Hauptakteure, « das Laster gestützt auf   dem Arm des Verbrechens » (nach dem bösen Wort Chateaubriands), entscheiden darüber, Ludwig XVIII. im Juli 1815 wieder auf den französischen Thron zu setzen.

Talleyrand wird in dem Stück vielfach zitiert: « Die Unzufriedenen sind die Armen, die nachdenken » oder auch der Nachhilfeunterricht, den der Aristokrat Talleyrand dem Proleten Fouché erteilt, wie man Cognac zu trinken habe : « Man wärmt ihn in der Hand, man ertastest

ihn mit der Nase, man stellt das Glas nieder und spricht über ihn ». Fouché warf das Glas wütend zu Boden.

Die beiden Schauspieler wurden mit stehenden Ovationen gefeiert, umso mehr, als sie ohne Honorar für uns spielten.

Das Theaterstück wurde als Film mit Claude Brasseur und Claude Rich im Haus von Talleyrand in Paris,  Rue St. Dominique,  gedreht.

 Mit Frau Lou Flagel und den TänzerInnen des Vereins Capval  lernten wir die historischen Tänze. Es war eine etwas undisziplinierte Tanzschule, wir mussten ohne Unterlass von vorne beginnen, aber wir lernten diese Begegnungstänze doch mit  Freude.

 Alle wollten endlich ihre Empire-Kostüme anlegen, teilweise geliehen,, teilweise selbst geschneidert.

 Um 19 Uhr begann der Ball. Alle waren kostümiert. In der Orangerie erwartete uns ein Apéritif. Ein Fotograf war zur Stelle. Sie  können  die URLadresse der Fotos auf  unserer homepage finden.

 An den uns zugewiesenen Tischen fanden wir ein Buch über Talleyrand als Geschenk von Pierre Gumbretière,  und eine schöne Menükarte.

Während des Apéritifs sangen und spielten Frau und Herr Godefroy auf einem eigens dafür geliehenen Pleyel-Flügel Kompositionen von Dussek, dem Lieblingskomponisten von Talleyrand, und anderen Komponisten aus dieser Zeit : Mozart, Chopin u.a. Das Publikum war wie zur damaligen Zeit: unaufmerksam und laut ; es war Hintergrundsmusik.

 Nach dem Essen kam der grosse Augenblick des Balls. Die Orangerie war zu klein, um alle  Tänzer aufzunehmen. Aber so konnten die, die sitzen bleiben mussten, die anderen bewundern. Alle waren begeistert und fragten, wann wir das wiederholen werden.

 Sonntag, den 18. Mai 2003

 Wir waren eingeladen bei den Nachkommen der Familie Godeau d’Entraingues, im Schloss von Moustière, eine Familie, die eng mit Talleyrand verbunden war. Die Besitzer dieses

Schlosses, Mitglieder unserer Gesellschaft, bewohnen  dieses schöne Schloss aus dem 18.Jahrhundert und haben uns äusserst freundlich empfangen. Zum Schloss gehören ein historisches Kühlhaus und ein Taubenschlag. Die Adligen durften nicht arbeiten, aber pro Landbesitz Tauben halten, um den Dünger zu gewinnen. (Sie durften auch Schmieden unterhalten, wie Talleyrand.) Sie  haben uns in zwei Gruppen geteilt und  mit viel Kenntnnis – teilweise haben sie extra Briefe, Bildnisse, Miniaturen aus ihrem Archiv  hervorgeholt – und mit Selbstironie und Humor ihren Besitz gezeigt. Wir danken ihnen sehr.

 In Veuil haben wir im Festsaal des Dorfes zu Mittag gegessen. Das Schloss, eine Ruine, gehörte ebenfalls Talleyrand, der sich ihrer als Steinbruch bedient hat, um Valençay zu reparieren. Wie schade ! Ein schönes Renaissance-Schloss, von dem noch ein Burgfried existiert und dessen unterirdische Gänge wir mit Kerzenlicht in Augenschein nehmen konnten.

Wer noch Zeit hatte, war bei Frau und Herrn Le Métayer im kleinen Jagdschloss Talleyrands,  gegenüber vom Schloss in Valencay, eingeladen, um ihren Sekt « Herzogin von Dino » zu verkosten.

Es war ein wunderbares Fest, das wir Pierre Guimbretière und André Beau verdanken, die unendlich viel Arbeit  investiert haben. Merci encore !